Dialog – der Weg zum Miteinander

Im August 2016

Ich habe zum Dialog eine dezidierte Einstellung, denn ich habe – vielleicht auch bedingt durch mein Alter – inzwischen viele Menschen kennenlernen können, die überhaupt nicht dialogfähig sind. Sie halten eher Monologe und erfreuen sich an ihrer selbstverherrlichenden Egomanie, ohne zu merken, dass sie durch ihre Art und Weise ihr Gegenüber zum Schweigen bringen.
Ich habe den Text eines Freundes, den ihr weiter unten in diesem Abschnitt lesen könnt, als ein Zeugnis der Solidarität und der kritischen Auseinandersetzung mit völlig unterschiedlichen Sozialisationen hier eingestellt, um vielleicht auch aufweisen zu können, wie wichtig der Dialog ist. Wie wichtig es ist, über alle Sozialisationen hinwegt, miteinander im Gespräch zu sein und zu bleiben. Seit Erstellung seines Textes und dem heutigen Datum ist in dem Land seiner elterlichen Wurzeln vieles geschehen und er agitiert seitdem sehr heftig. Vielleicht liest er es irgendwann einmal und fragt sich dann, wie habe ich denn damals nur getickt?! Doch, und das ist ganz wichtig, er war ein Zeitzeuge des Geschehens in der Türkei. Er und seine Frau haben es direkt miterlebt. Die Emotionen, die Ängste, die Solidarität, die Greuel aber auch die Hochgefühle. Und er hat wie jeder andere Mensch das Recht so zu sein, wie er möchte und er ist und bleibt ein Freund!

Dialog, so wie ich ihn verstehe , ist vor allem die Kunst des Zuhörens und dann des miteinander Sprechens. Es gibt, das wisst ihr alle, dabei immer auch Themenbereiche, die einen emotional stimmen. Die Kunst des Dialogs besteht darin, diese Phasen zu überwinden und das Gespräch aufrecht zu halten, und sei es nur, dass man einen weiteren Gesprächstermin vereinbart, um dann weiter miteinander zu reden. Das ist eine sehr schwere Aufgabe, vor allem, wenn man gesellschaftliche Funktionen ausübt oder Menschen führt. Ich erlebe es tagtäglich, wie bestimmte kleine und auch etwas längere Menschen an mir vorbeireden. Sie tun das u.a. deshalb, weil sie genau wissen, dass ich Dialog auch unter der Rubrik Streitgespräch verstehe. Ich darf euch sagen, dass es mir immer um die Sache geht und wenn irgendwelche Ikeatrittopportunisten denken, sie können einen auf groß machen, dann spüren sie schnell, das funktioniert nicht. Es funktioniert Dialog mit mir also nur, wenn Du mich fair behandelst. Solltest Du zu den Klinglern, Glöckchenspielern und Puperzenkraulern gehören und ich merke das, dann fällt es mir wirklich schwer, Dir vorbehaltlos und aufrichtig zu begegnen. Doch das dürfte bei allein Menschen so sein.

Als Landrat allerdings werde ich Dir zuhören, wenn Du „sauber arbeitest“. Du bringst Dein Anliegen vor und ich werde uns die Zeit geben, die notwendig ist, um Dein Anliegen in seinen wichtigsten Facetten darzulegen. Danach werde ich es prüfen und damit auch Dich, denn ich will wissen, wie authentisch Deine Darlegungen sind. Und dann trete ich wieder mit Dir in Kontakt und ich spreche mit Dir. Und wir werden die  eine oder andere Lösung finden für Dein Anliegen. Wir sind beide keine Götter – vergiss´das bitte nicht. Ich kann keine Wunder, Du auch nicht. Doch da wir ernsthaft miteinander sprechen, können wir gemeinsam daran arbeiten, dass Du spürst, ich nehme Dich ernst. Und dann treten wir in einen Dialog miteinander. Vielleicht lernen wir einander schätzen?!

Dialog funktioniert gerade in der Führungsrolle nur dann, wenn man einander schätzt. Ansonsten ist es Zeitverschwendung.

So, nun weißt Du, was ich als Landrat unter Dialog verstehe. Nimm´es wie es ist, hasse mich von mir aus, degradiere mich, rede schlecht hinter meinem Rücken. Du schreibst dein Buch, ich meines 😉

Im Juni 2016

Das Miteinander verschiedener Weltanschauungen ist nur durch Dialog zwischen den Weltanschauungen möglich. Dialog, wie mein Freund und ich ihn verstehen, hat ein Set und Setting.
Der Set ist die mentale Verfassung der Teilnehmer am Dialog. Das Setting ist die Umgebung für den Dialog.

So ist das Set eines Dialogs, wie ihn mein Freund und ich ihn verstehen, die mentale Grundeinstellung Respekt, Geduld, Offenheit und vor allem Authentizität.
Das Setting definieren wir beide damit, dass der Dialog in einer Umgebung stattfindet, die die Teilnehmer mit der Sicherheit einer Wohlfühlumgebung verbinden.

Wohl denn, hier der Text meines guten Freundes Erdem.

Dialog, Integration und Kulturaustausch – Die neue POHLitik im Landkreis Helmstedt

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freunde,

ich freue mich, dass ich mit meinem eigenen Beitrag und Anliegen den Wahlkampf von Jörg Pohl bereichern darf.

Bevor ich über mein Anliegen berichte, stelle ich mich kurz vor:

Mein Name ist Erdem Başkök, ich bin am 02.10.1986 in Helmstedt geboren und bin seitdem in Königslutter aufgewachsen. Zwischendurch habe ich zwar auch mal in Istanbul und Berlin gewohnt, jedoch ist meine Heimat Königslutter geblieben. Ich hatte zwei Semester Deutsch auf Lehramt in Istanbul studiert, ehe ich meine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Allianz in Berlin begonnen habe. Heute bin ich zwar hauptberuflich im Volkswagenwerk in Wolfsburg tätig, übe jedoch weiterhin meine Tätigkeit als Finanzierungs-, Immobilien- und Versicherungsmakler aus. Ich bin eines dieser Phänomene, was wir heutzutage „Deutscher mit Migrationshintergrund“ nennen. Vereinfacht gesagt heißt das, dass ich gebürtiger Türke bin, der vor kurzem eingebürgert worden ist. Eine ausführlichere Beschreibung über meine Person und meinen Werdegang findet ihr auf:

www.elmmakler.de/ueber-uns

Ich interessiere mich sehr für Politik und das gesellschaftliche Zusammenleben in Frieden.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen und darauf aufmerksam machen, dass ich diesen Beitrag als PRIVATPERSON verfasse und es sich um mein PERSÖNLICHES ANLIEGEN handelt.

Jörg und ich haben uns zu diesen Themen im Vorfeld sehr ausführlich unterhalten und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Dialog im Landkreis Helmstedt eine sehr wichtige Rolle spielt.

Jeder, der Jörg Pohl kennt und sich seine geistigen Ergüsse in Textform zu Gemüte geführt hat, weiß, dass er „unkonventionell“ und „offen“ ist und hin und wieder gerne mal in seinen Texten oder aber auch im richtigen Leben „provoziert“. Und genau DAS ist meines Erachtens nach die moderne Version der „Sturm und Drang“-Zeit der Dichter von damals. ICH bin ähnlich gestrickt wie Jörg und verhalte mich auch „unkonventionell“, „offen“ und teilweise „provokant“. Der Unterschied zu einem beispielsweise „Jan Böhmermann“ oder „Oliver Pocher“ ist der, dass es bei Jörg und mir tatsächlich als KUNST durchgehen könnte.
Durch seinen Schreibstil macht Jörg Pohl auf heikle Themen im Landkreis aufmerksam. Er formuliert seine Texte so amüsant und kritisch zugleich, dass der Leser sich nicht von der Länge des Textes abschrecken lässt und den Beitrag tatsächlich liest. Ist es nicht genau DAS, was uns heutzutage fehlt?
Wir werden gesellschaftlich in gewisse Schubladen gesteckt, müssen uns stets an gewisse Etiketten halten und müssen einfach nur noch für die Profitmaschinerie FUNKTIONIEREN. Viel Zeit und Freiraum für individuelle Entfaltung, geschweige denn Kultur- oder Gedankenaustausch bleibt da nicht mehr. Wir beziehen unsere Informationen nur noch von der „BILD“ und einigen ausgewählten Fernsehsendern, die alle die gleichen selektierten Nachrichten senden. Wir bekommen gar nicht mehr mit, dass wir unser Gehirn gar nicht mehr zum Nachdenken benutzen oder es überhaupt mal im Alltag einsetzen. Stattdessen werden uns die gemachten Meinungen auf dem Silbertablett serviert und wir plappern nur noch nach.

Besonders in der heutigen Zeit ist es doch wichtig, dass wir alle, die hier in Deutschland leben, ob Schwarz, Weiß, Christ, Jude, Muslim, Türke, Pole, Jugoslawe, Deutscher, Asiat, Mann, Frau, Homosexuell, Bisexuell, Flüchtling oder Wohlhabender, FRIEDLICH miteinander leben und uns KENNEN. Genau das ist der Punkt, von dem ich aus Erfahrung sprechen kann. Ich werde dieses Jahr 30 Jahre alt. Ich habe im Kindergarten die deutsche Sprache gelernt und spreche sie seitdem akzentfrei, wie ein gebürtiger Deutscher. Ich habe also die wichtige Erfahrung gemacht, dass SPRACHE der ERSTE SCHRITT für Integration und ZUSAMMENLEBEN ist. Ich kann mich noch so gut integrieren, wenn ich aber die Sprache nicht spreche, kann ich mich meinem Umfeld nicht mitteilen und kann somit nicht verstanden werden und kann auch selber nicht verstehen. Wie soll ich mich mit meinen Mitmenschen austauschen?

Sicherlich bin ich nicht in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte aber auch keinen besonderen Luxus gehabt, da meine Eltern einfache Arbeiter waren, die seinerzeit die erste und zweite Generation der Einwanderer waren und nur arbeiten konnten. Meistens haben diese Menschen die undankbare Drecksarbeit gemacht und haben somit einen sehr großen Beitrag zum damaligen Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik Deutschland beigetragen. Meine Generation, also Menschen wie ich, haben das große Glück gehabt, dass wir hier zur Schule gehen, eine Ausbildung anfangen oder auch studieren können. Natürlich habe ich die eine oder andere Schwierigkeit erlebt, da mir meine Eltern keine Auskunft über gewisse Sachen geben konnten, die ich mir selber aneignen musste. Auch kann ich leider nicht behaupten, dass in den 30 Jahren meines Lebens, der größte Teil meiner deutschen Freunde und Kollegen, sich für meine Herkunft, meine Religion oder meine Kultur interessiert haben. Unsererseits war auch irgendwie der Antrieb nicht da, unsere Werte den deutschen Kollegen näherzubringen.
Und ich sage euch was, es war eigentlich auch gar nicht nötig, denn bis zum Jahr 2001 haben wir mehr oder weniger friedlich zusammengelebt und haben uns AKZEPTIERT wie wir sind. „Muselmane und Schweinefleischfresser“ waren gute Freunde. Sie haben sich auch so angesprochen und gingen recht locker damit um. Wir waren alle einfach nur MENSCHEN.
Seit dem 11. September 2001 hat sich die Situation jedoch drastisch verändert. Nicht von heute auf morgen, aber kontinuierlich bis zum heutigen Tage. Auf einmal dominieren Diskriminierung und Vorurteile den Alltag, auf einmal ist jeder bärtige Mann ein potentieller Terrorist, auf einmal sind Frauen mit Kopftüchern unterdrückte Gebärmaschinen, auf einmal kennt JEDER den Islam und belehrt mich zu diesem!
In meiner Kindheit habe ich gar nicht gewusst, dass meine Mitmenschen meine Religion besser kennen als ich. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Politikwissenschaftler in meinem Umfeld gibt, die die letzten 700 Jahre der türkisch-osmanischen Geschichte kennen und mich zu dieser belehren. Ich wusste aber, dass ich ein „Scheiß Türke“ bin, wenn ich meine Mitmenschen zu den Grausamkeiten im Dritten Reich belehren wollte. Ich bin ja GAST in diesem Land und habe deshalb KEINE MITSPRACHERECHTE. So sehen es heute leider sehr viele. „Ihr seid Gast in diesem Land, deshalb könnt ihr eure Religion in der Türkei praktizieren, Deutschland ist ein christliches Land.“, solche Sätze bekommen wir heutzutage zu hören. Ironischerweise kenne ich keinen einzigen Deutschen, der in den 30 Jahren meines Lebens die Kirche besucht hätte oder mir ansatzweise erklären kann, was PFINGSTEN ist. Die christlichen Werte sind nur ein Vorwand, um den aufkeimenden Islamhass in Deutschland zu rechtfertigen. Wir erkennen leider nicht, dass uns die Meinung von den Medien vorgekaut wird und wir rezitieren allzu gerne, OHNE ZU HINTERFRAGEN!

Genau darum geht es doch, FRAGEN. In meiner Ausbildung wurde mir eingetrichtert: „Wer fragt, der führt.“ Warum FRAGEN wir denn nicht einfach mal unsere Nachbarn, wer sie sind, was sie machen, wie sie sich fühlen, an was sie glauben etc. Stattdessen bedienen wir uns den Hassbotschaften aus den Medien, den Unterstellungen, den Vorurteilen und kategorisieren einfach alles.

Wieso können wir nicht den Dialog in unserer Region fördern?

Wieso mag ich den christlichen Jörg Pohl mit atheistischen Neigungen?
Wieso mag Jörg Pohl den muslimischen Erdem Başkök?

Ich glaube, dass es daran liegt, dass wir einfach nur MENSCHEN sind, die den Charakter und das Verhalten seines Gegenübers bewerten und nicht seine Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Jörg und ich haben erkannt, dass auch die „Fremden“ bemüht sein sollten, sich der deutschen Gesellschaft zu öffnen und den Dialog zu suchen. Ebenso sollten sich Tastaturhelden im Internet die Vorstellung aus dem Kopf verbannen, dass DEUTSCHLAND DEN DEUTSCHEN gehört und ein ethnisch sauberer und weißer Ort nur für DEUTSCHE ist. Das ist doch in den Zeiten der Globalisierung völliger Schwachsinn und total realitätsfern. Ich meine, wie werden sich diese Hobby-Nazis dann im Internet (das ist übrigens auch eine ausländische Erfindung), mit Ihren amerikanischen oder asiatischen Smartphones (die vermutlich von Kinderarbeitern hergestellt worden sind) über die ganzen Flüchtlinge aufregen, deren Länder u.a. mit deutschen Waffen vernichtet worden sind?
Wie soll der Hobby-Nazi dann mal schnell seinen Döner, seine Pizza, seine Chinapfanne, seinen Cheeseburger oder seinen Donut essen, wenn in Deutschland nur Deutsche wohnen und nur deutsche Kultur herrschen sollte? Wie soll der Hobby-Nazi sich denn modisch einkleiden, wenn er seine Lieblingsmarke „Thor-Steinar“, dessen Kleidung vorwiegend in der Türkei und in China produziert wird, boykottiert, weil es ein arabisches Unternehmen mit Sitz in Dubai ist?

Lasst uns von solchen lächerlichen Klischees loslösen und selber in unserem Umfeld aktiv werden. Ob der Dialog institutionalisiert werden soll oder nicht, kann dann gemeinsam erörtert werden. Meiner Ansicht nach, wäre es aber nach über 50 Jahren Migration nicht verkehrt, wenn diese ursprünglich eingewanderten Menschen, die mittlerweile ein fester Bestandteil der Gesellschaft sind und überwiegend integriert sind, einen Vertreter in den staatlichen Organen hätten, der sich um das Anliegen der Bürger kümmert und diese an die entsprechenden politischen und administrativen Organe weiterträgt.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg sage ich.
Es ist doch das natürlichste Recht eines Menschen, Gehör zu finden. Da brauchen sich die Hobby-Nazis auch gar nicht zu empören, dass diese Gäste keinerlei Rechte hätten. Die „Gäste“ haben womöglich mehr für dieses Land getan, als jene, die nur nörgeln und im Internet einen auf Held machen.

Warum Jörg Pohl? Weil Jörg Pohl genauso wie ich ein FREIDENKER ist. Ein freier Geist, der unabhängig und ungebunden ist. Der sich nicht dem Parteidiktat beugt und für irgendwelche angestrebten Posten sich nicht krumm machen muss. Er ist kerzengerade, genauso wie ich und steht zu seiner EIGENEN und PERSÖNLCHEN Meinung, ohne dass ihm eine Partei den Mund verbietet.

Lasst uns Jörg Pohl wählen und unsere Zukunft GEMEINSAM gestalten. Wenn der Dialog hergestellt wird, dann folgt die Integration unweigerlich. Nur wenn man einen Menschen versteht und Empathien entwickeln kann, baut man Vorurteile ab und erkennt, dass der andere ja gar nicht so blöd ist, wie man dachte.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen friedlichen Tag.

Erdem Başkök